In seinem Buch „Macht im Umbruch“ untersucht der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, wie sich die internationale Ordnung seit dem Ende des Kalten Krieges verändert hat. Seine zentrale These lautet:
Die bisherige, vom Westen geprägte Weltordnung gerät zunehmend ins Wanken, während neue Machtkonstellationen entstehen.

Münkler beschreibt den Übergang von einer relativ stabilen Ordnung hin zu einer multipolaren Welt, in der mehrere Großmächte um Einfluss konkurrieren. Macht besteht dabei nicht nur aus militärischer Stärke, sondern auch aus wirtschaftlichem Einfluss, politischer Gestaltungsmacht und kultureller oder normativer Überzeugungskraft. Diese Machtformen fallen heute immer seltener zusammen, was internationale Politik unübersichtlicher und konfliktreicher macht.
Besonders betrachtet Münkler die Rolle der USA, Chinas, Russlands und Europas.
Die USA erscheinen als ermüdete Führungsmacht, die nicht mehr bereit ist, die Kosten globaler Ordnung zu tragen. China steigt strategisch und wirtschaftlich auf, während Russland versucht, mit militärischen und hybriden Mitteln verlorenen Einfluss zurückzugewinnen. Europa beschreibt Münkler kritisch als wirtschaftlich stark, aber sicherheits- und machtpolitisch schwach. Die Tatsache, dass Europa außenpolitisch mit seinen Aktivitäten ind Südamerika /Mercosur-Abkommen) und Indien (Freihandelsabkommen) auf dem Weg zu einer neuen weltpolitische Rolle gelangt, wird im Buch leider nicht deutliche.
Deutschland und Europa
Münkler betont, dass Deutschland innerhalb Europas eine Schlüsselrolle einnimmt, dieser Verantwortung aber nur unzureichend gerecht wird. Als wirtschaftlich stärkster Staat der EU agiert Deutschland häufig zögerlich, reaktiv und konfliktscheu, insbesondere in sicherheits- und machtpolitischen Fragen. Münkler kritisiert, dass Deutschland seine historische Zurückhaltung nicht in eine konstruktive Führungsrolle übersetzt hat.
Strategisches Denken Fehlanzeige
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